RUIN
Mit Ruin wird der Deutsche Pavillon zu einem Raum, in dem sich physische und soziale Strukturen, deutsche Ideologien und gelebte Biografien materiell überlagern und Architektur, Geschichte und Psychologie in ein produktives Spannungsverhältnis treten. Der Titel spielt mit den Assoziationen, die er weckt. Während das englische Wort „ruin” auch architektonische und materielle Überreste bezeichnet, verweist das deutsche Wort „Ruin“ auf einen Zustand des Zusammenbruchs – ob ökonomisch, gesellschaftlich oder moralisch.
Henrike Naumann und Sung Tieu greifen in ihren neu entstehenden Arbeiten auf Recherchen zur DDR und zur Transformationszeit nach der Wiedervereinigung 1990 zurück und zeigen, wie historische Brüche und Leerstellen in politischen, sozialen und architektonischen Strukturen fortwirken, die in unserer globalisierten Gegenwart präsenter denn je sind. Sie reflektieren die faschistische Architektur des Deutschen Pavillons und die deutsche Geschichte, indem sie den Ort künstlerisch neu besetzen. Mit einem Formenvokabular, das zwischen minimalistischer Klarheit und maximalistischer Opulenz changiert, nutzen beide Künstlerinnen das Gebäude als ambivalenten Spiegel gesellschaftlicher Dynamiken der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart.